Beda und Poldi 1916 – von Michael Ostermann

Etwas gänzlich anderes als die geistlichen Lieder oder die Sinfonie der Anbetung hat der Papa 2000/2001
mit Beda & Poldi vom Stapel gelassen.
Ein Schauspiel mit Musik aus der Wiener K&K Zeit. Es geht um zwei jüdische Musiker und Kabarettisten, die von der blühenden Hochzeit der Wiener Kultur um die Jahrhundertwende bis zum Holocaust (fast) alles mit(üb)erleben…angelehnt an den Komponisten und Kabarettisten Hermann Leopoldi (1888-1959) und den Librettisten und Schriftsteller Fritz Löhner- Beda (1883-1942 Auschwitz)

Die Demoaufnahmen von einigen Liedern aus dem Stück sind 2001 mit Musikerfreunden in einem Münchner Privatstudio entstanden und Papa himself gibt den frustrierten Komiker Poldi, der in “geh hol es doch der Kuckuck” von der Kabarettbühne hinunter in eine hoffnungslose Zeit blickt und sich ein Ende de K&K Donaumonarchie herbei wünscht.

mehr Informationen über Beda & Poldi….

Das für die Aufführung an zwei Abenden konzipierte Theaterstück stellt mit „Beda und Poldi 1916“ und „Jetzt sterb’n wär‘ schön!“ zwei in sich geschlossene Schauspiele vor, die auf ihrem historischen Schauplatz Wien im Kriegsjahr 1916 – und im zweiten Teil „Jetzt sterb’n wär‘ schön!“ über 1927, 1938, 1942 mit Abschluss im Nachkriegsjahr 1946 – die Entwicklung der gesellschaftlichen Radikalisierung und des Zusammenbruchs im Spiegel der Lebensläufe der Protagonisten beleuchten. „Beda und Poldi 1916“ macht deutlich, dass der nunmehr zwei Jahre andauernde Krieg in Europa die Spannungen innerhalb der eigenen Gesellschaft nur vordergründig zu kaschieren vermag, sie vielmehr forciert und in den Alltag hineinträgt. Angst und Misstrauen spalten Freunde und Liebende, ohne dass jedoch das Ausmaß der Katastrophe, die bevorsteht zu ermessen wäre.
Die Perspektive des Stückes zeigt die kulturell hochaktive Szene rund um Beda, den Theaterdichter und Poldi, den dazugehörigen Kabarettisten, deren gemeinsames öffentliches Wirken immer wieder zu Konfrontationen mit der Obrigkeit und dem Zeitgeist an sich führt. Zum gemeinsamen Freundeskreis gehören die Habsburger Gräfin und Malerin Valerie – sie dokumentiert die Zeitgeschichte in ihrem Werk, der Militärkapellmeister und Operettenkomponist Franz, natürlich Goldi, Poldis Kabarettpartner und nicht zuletzt Sarah, Bedas Geliebte. Die isolierten und gebrochenen biografischen Positionen der einstigen Freunde markieren den bereits vorangeschrittenen Zerfall der K&K- Gesellschaft. Die Ungewissheit der Zukunft und der Entwicklungen nach dem ersehnten Kriegsende lässt vormals unterschwellige Spannungen eskalieren: gesellschaftliche Anerkennung macht Franz zu einem opportunistischen Karrieristen, dem die vorgeblich mangelnde Qualität der Arbeit der Kabarettisten ein Dorn im Auge ist. Er versucht den Dichter Beda abzuwerben, während er diesem hinterrücks die Frau ausspannt. Sarah sieht aufgrund ihrer jüdischen Herkunft Probleme auf sich zukommen – da Beda sich weigert, nach Palästina mit ihr auszuwandern, stimmt sie einer Heirat mit dem Deutschen Franz zu. Das Kabarett von Goldi und Poldi – im Laufe der Zeiten mehr und mehr bespitzelt und bedroht – spannt den Rahmen der Handlung auf, erlaubt pointierte, schonungslose und unterhaltsame Kommentierung der gesellschaftlich-politischen Ereignisse sowie deren Reflexionen im Leben der einzelnen Personen. Der auf der Bühne angesprochene Konflikt zwischen hoher Kunst und unterhaltender Gebrauchsmusik ist in der Komposition des Stückes selbst aufgelöst: Dramaturgischer und musikalischer Höhepunkt ist die Hochzeit zwischen der Jüdin Sarah und dem arrivierten deutschen Offizier. Kontrastierend eingesetzt werden katholischer Hymnus und hebräische Psalmodien zum musikalischen Schauplatz der Feier dieser unglücklichen Verbindung eines ungleichen Paares, die gleichzeitig den Bruch (fast) aller bisherigen Beziehungen herbeiführt.

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